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23.07.2021 - Die Trickige

Orientierungslaufen heute – und ein Blick zurück

Während der Swiss O Week 2021 können sich alle Beteiligten auf umfassende Unterlagen verlassen. Beim täglichen Gebrauch geht jedoch schnell vergessen, dass unzählige Arbeitsstunden notwendig waren, um diese Dokumente anzufertigen.

Etwa für das Programmbuch. Es lenkt wie ein roter Faden durch die ganze OL-Woche und vereinfacht das Zurechtfinden erheblich. Da viele Beiträge von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren entworfen, bearbeitet und wiederholt angepasst wurden, verlangte am Schluss die redaktionelle Arbeit neben Sorgfalt oft auch Geduld. Schliesslich mussten nicht nur Listen, Tabellen sowie allgemeine Angaben stimmen, ebenso wichtig waren korrekte Übersetzungen oder ein ansprechendes Erscheinungsbild.

Präzision war auch bei der Kartographie entscheidend. Um für die SOW einen Quadratkilometer Gelände präzis „aufzunehmen“, lag der Zeitbedarf etwa bei 30 Stunden, das zeichnerische Darstellen danach nicht eingerechnet. Mit anderen Worten: Nur eine beachtliche, vorangegangene Arbeitsleistung ermöglichte es später den Läuferinnen und Läufern überhaupt, ihre Routen rationell zu bewältigen. Allenfalls vereinfachen künftig technische Mittel, etwa Drohnen, die Handarbeit. Doch fliegende Kameras können – zumindest derzeit – noch nicht denken, fühlen oder interpretieren wie Menschen beim Erstellen von OL-Karten mit entsprechenden Finessen. Was gerade heute das „trickige Gelände“ kaum verziehen hätte.

Ohne aktuelle Karten und dem Katalog wäre die SOW 2021 nicht durchführbar. Sollte an der gegenwärtigen dennoch Kritik aufkommen, müssten die Erfahrungen einer OL-Läuferin von 1954 „Pflichtlektüre“ werden. Die vitale Seniorin erinnerte sich nach der Etappe am vergangenen Montag sehr wohl an jene Zeit, als Mädchen und junge Damen bei Orientierungsläufen des „Militärischen Vorunterrichts“ gelegentlich mitmachen durften. Züchtig gekleidet in Manchester-Röcken, kratzigen Wollstrümpfen, in hohen Schuhen, Pfadi-Blusen mit Krawatten und einem Gurt ringsum. Die Orientierung erfolgte anhand 25‘000er Militärkarten, zur Not beschafften die Organisatoren halt amtliche Grundbuch-Auszüge. Gelaufen wurde in Gruppen, bei den Posten – oft kontrolliert von Soldaten – waren unterschiedliche Aufgaben zu lösen sowie die Koordinaten der nächsten Ziele zu bestimmen.

Überdauert hat bis heute einzig die Zeitmessung. Elektronisch natürlich, statt mit mechanischen Stopp-Uhren oder dem Sekundenzeiger am Handgelenk. Auch das seinerzeit gespendete Kraftgetränk „Heliomalt“ ist am Ziel nicht mehr erhältlich – aber geblieben sind heitere, unvergessliche Erinnerungen an das „frühe weibliche Orientierungslaufen“ in der Schweiz.

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